Um halb Zwei Morgens klingelte der Wecker ! Wir haben einen dieser neu modernen, digitalen Wecker, die mit diesem ekelhaften Ton, der in die Knochen fährt und einen Tiefschläfer innert weniger Sekunden hellwach neben dem Bett stehen lässt. Ich konnte das Ding schnell abstellen, so richtig geschlafen hatte ich nicht. Nur drei Stunden vorher waren wir ins Bett gehüpft, wohl wissend, dass das doch nichts wird. Um drei Uhr sollten wir bereits auf dem Flughafen sein.
„Los Weib, steh auf und mach uns Kaffee!“ meinte ich gutgelaunt zu der besten Ehefrau von allen, schliesslich sollte es nun endlich in die Ferien gehen. Um keinen Zweifel an meiner Befehlsgewalt im eigenen Haushalt aufkommen zu lassen, werde ich die Antwort der oben genannten Ehefrau ganz einfach nicht wiedergeben. Ich begab mich ins Badezimmer für die Morgentoilette, allerdings erst nachdem ich die Kaffeemaschine in Gang gesetzt hatte, und wunderte mich ob des Fehlen meines Jüngsten. Der Kerl sollte uns doch zum Flughafen fahren, verflixt noch mal. Aber die Jugend ist besser als man sie macht, ich versuchte gerade mir die Stoppeln aus dem Gesicht zu kratzen, als er freudestrahlend neben mir stand: „Na, seid ihr soweit? Von mir aus kann’s los gehen!“ Er war gerade eben nach Hause gekommen.
Pünktlich um drei Uhr lieferte uns der Sohn am Flughafen ab und half mir auch die beiden Koffer zum Check-in-Schalter zu karren. Unsere Kollegen waren bereits da und hatten die Papiere auch schon besorgt. Natürlich hatten wir alle zuviel Gewicht ! Entweder war es noch viel zu früh, oder die Dame hinter unserem Schalter war uns einfach gut gesinnt, sie akzeptierte unsere Gewichte ohne mit der Wimper zu zucken. Zwei Wochen später sollte ich mich daran erinnern! Der Sohn verabschiedete sich und meinte trocken: „Wir sehen uns in einer Woche in Hurghada ! Macht’s gut.“ Er wollte nun endlich ins Bett, durchaus verständlich. Auch wir machten es uns im Flugzeug bequem so gut es ging, und verschliefen den Flug.
Wir alle waren schon mehrfach in Hurghada gewesen, die Erfahrung half das
Visa in den jeweiligen Pass zu kleben, sodass wir uns durch die Passkontrolle schleusen konnten. Nur wenig später standen wir am Hafen und suchten unser Safariboot. Ein Zodiac kam angeschossen, gesteuert von einer Person die wir kannten: „Hallo Hamdi, Sabah el Cheer !“
„Sabah el full“ kam die Antwort: „Welcome back!“ Hamdi hatte uns alle schon einige Male an die verschiedensten Riffe gebracht, und nach dem Tauchgang auch wieder eingesammelt. So etwas verbindet ! Zuerst wurde unser Gepäck verladen und zum Schiff gebracht, darauf hin waren wir dran: Frauen und Kinder zuerst. Ja, ja, wir hatten auch 4 Kinder bei uns, die von uns allen eine Woche lang verwöhnt wurden. Nicht immer waren die jeweiligen Eltern damit einverstanden, aber wir haben uns herrlich vergnügt. Der Rest des Tages war ausgefüllt mit unseren Vorbereitungen für die Safari. Schon um sechs Uhr war es stockdunkel, da wir alle nicht viel geschlafen hatten, war es nur wenig später recht still auf unserem Schiff, wir schliefen alle tief und fest.
Ausgeschlafen und vor allem unternehmungslustig erwachten wir am nächsten Morgen. Unser Koch hatte schnell ein herrliches Frühstück gezaubert, wir stellten plötzlich ein gewaltiges Knurren in der Magengegend fest und stürzten uns auf alles was auf den Tisch kam. Wir hatten am Vortag mit unserem Divemaster und dem Rais die Route festgelegt: es sollte gegen Süden gehen. Bevor aber die Leinen gelöst werden konnten kamen zwei Beamte der Küstenwache an Bord um die Dokumente zu überprüfen. Schon bald mussten wir feststellen, dass die Diskussion sich in die Länge zog. Wenn Ägypter sich unterhalten hat man immer sehr schnell den Eindruck, dass die sich über kurz oder lang prügeln werden. Wir kannten das schon, aber hier stimmte etwas nicht. Unser Divemaster spricht bestens Arabisch, wir forderten ihn auf unauffällig zu lauschen was da denn nun anstehe. Nach einer Weile erschien er wieder auf dem Oberdeck: „Wir sind zu viele an Bord! Das Schiff ist für 20 Personen zugelassen, wir sind aber mit der Besatzung 22 Personen.“
Zunächst haben wir eine ganze Weile gestaunt. Auch wenn uns das nicht weiter brachte, es stand aber fest, dass die 4 Kinder voll gezählt wurden.
Der Höhepunkt sollte aber noch folgen. Wir wurden alle in die grosse Kabine gebeten. Die beiden Beamten wollten uns zählen. Nachdem sie sich versichert hatten, dass niemand mehr in den Kabinen auf dem Unterdeck war, wurde gewissenhaft bis auf 15 gezählt. Als die Beiden drei Mal die selbe Zahl erreicht hatten, wandten sie sich wieder dem Kapitän, unserem Rais, zu. Die Unterhaltung wurde immer lebhafter.
Plötzlich sahen wir, in der Zwischenzeit durften wir uns wieder auf das Sonnendeck begeben, wie Hamdi den Zodiac bereit machte. Wenig später führ er mit zwei seiner Kollegen an die Mole, lud diese dort ab und kam wieder zurück. Unsere Papiere wurden von der Küstenwache abgestempelt und die beiden Beamten verabschiedeten sich endlich. Es ging bereits auf Mittag zu. Jetzt wurde die Mannschaft aktiv, der Motor sprang an, die Leinen wurden gelöst, unser Schiff nahm Fahrt auf. Der Käpt’n steuerte gen Süden, es ging endlich los. Wir lehnten an der Reling und liessen Hurghada an uns vorbei gleiten, als wir plötzlich bemerkten, dass Kurs auf Land anlag. Ich schaute voraus und meinte die Tamoil Tankstelle für Boote zu erkennen:
„Nun sag bloss nicht, dass wir noch tanken müssen !“
Darauf angesprochen, schüttelte der Rais grinsend den Kopf. Wir kamen der besagten Tankstelle immer näher, als Hamdi plötzlich mit dem Zodiac voraus raste. Wenig später kam er mit den beiden Kollegen wieder, die am Morgen ausgeladen wurden.
Als alle an Bord waren, beschleunigte unser Rais die Fahrt ganz beachtlich, der Bug hob sich aus dem Wasser und unser altes Boot zeigte sich von seiner besten Seite und pflügte gen Süden.
Na also, warum nicht gleich so.
Unser erster Halt sollte bei Abu Haschich stattfinden, eine schöne aber auch einfache Lagune, nicht all zu tief. Unser Divemaster wollte unsere Tauchfähigkeiten kennen lernen, und das ist sein gutes Recht. Schliesslich wollten wir eine ganze Woche mit ihm tauchen. Herrlich, endlich wieder unter Wasser ! Nachdem jeder seine Gewichte geprüft hatte und alles für Gut befunden hatte, liessen wir uns auf Tiefe sinken. Der Thermometer zeigte glatte 28° Wassertemperatur an, das lass ich mir gerne gefallen ! Die Sicht war nicht die Beste, wir konnten „nur“ etwa 20 Meter weit sehen. Wenn wir jedoch diese Tatsachen mit unseren Seen daheim vergleichen, Wassertemperatur um 8° (!), Sichtweiten meistens unter 3 Metern, dann versteht jeder warum wir immer wieder ans Rote Meer pilgern.
Wir waren nur 8 Taucher, alle aus dem selben Tauchclub, mit anderen Worten wir kannten uns alle bestens. Auf diese Weise hat die ganze Sache sofort einen riesen Spass gemacht. Als wir wieder an Bord waren, steuerte unser Käpt’n wenig später wieder Richtung Süden, wir wollten noch heute Soma Bay erreichen.
Gegen Abend zurrten wir in der Bucht vor dem Sheraton Hotel an den Boyen des Tauchplatzes Tobia Arbaa unsere Leinen fest. Arbaa heisst eigentlich 4 und bezieht sich auf die herrlichen Korallentürme die hier unter Wasser zu finden sind. Schön an der Sache ist, dass aber eigentlich sieben Türme zu finden sind, die alle recht eng bei einander liegen. Der erste Nachttauchgang stand da schnell auf dem Programm. Der Koch wurde benachrichtigt und schon waren wir wieder alle Unterwasser. Um diese Türme herum wimmelt es nur so von Leben, auch Nachts. Vor allem waren jede Menge Feuerfische unterwegs auf Jagd. Unsere Lampen kamen diesen Fischen sehr willkommen, vereinfachte unser Licht doch deren Jagd beträchtlich. Diese hochgiftigen Fische kamen uns oft doch recht bedenklich nahe, sodass wir aufpassen mussten die Stacheln nicht zu berühren. Schnell hatten wir den Dreh jedoch entdeckt: kurz die Lampe ausschalten und im Dunkeln still halten, sofort wurden die Fische von den anderen Lampen angezogen und gaben somit den Weg wieder frei.
Drei Kollegen waren mit hochmodernen Digitalkameras angerückt, entsprechende Minischeinwerfer und vieles mehr. Als ich das sah, habe ich meine uralte Kamera gar nicht ausgepackt, meine hat gerade einmal 3,2 Megapixel. Die Kollegen boten 10 und mehr Megapixel. Schnell hatten wir ausgemacht, dass nach den Ferien alle Fotos auf einen CD gebrannt werden und allen zur Verfügung stehen sollen. Wer immer etwas sehr interessantes sah, gab das durch einschlägige Zeichen dem nächsten Fotographen zu verstehen, auf dass dieser die tollsten Bilder knipsen konnte.
Am nächsten Morgen mussten wir feststellen, dass der Wind doch ganz beachtlich aufgefrischt hatte, alle Wellen ausserhalb der schützenden Bucht trugen weisse Kämme. Wir wollten hinaus zum Panoramareef, dieses lag knapp 14 km weit, im offenen Meer. Wir wurden ganz beachtlich durchgeschaukelt, als wir endlich hinter dem schützenden Riff lagen, hörte diese Schaukelei wohl auf, der Wind pfiff uns aber um die Ohren. Tauchen kann man trotzdem, unter der Wasseroberfläche ist von Wind und Wellen kaum etwas zu spüren.
Gleich nach dem Zweiten Tauchgang legte der Käpt’n ab, die Nacht wollten wir am Middlereef verbringen. Schon im Laufe der Nacht bemerkten wir eine stetige Steigerung der Windgeschwindigkeit. Obwohl wir hinter einem grossen, schützenden Riff lagen bewegte sich unser Boot kontinuierlich auf und ab. Als wir am Morgen erwachten stürmten links und rechts des Riffes 2 bis 3 Meter hohe Wellen an uns vorbei. Wir lagen für zwei Tage fest, der Rais wollte uns eine derartige Seefahrt nicht zumuten. Ich glaube das hatte weniger mit seinem Anstand uns gegenüber zu tun, als vielmehr mit der klaren Einsicht, das wir wohl alle nach kürzester Zeit schwer Seekrank an der Reling hängen würden, und uns die Seele aus dem Leib ko…….. würden.
Er grinste und meinte: „Das legt sich Morgen wieder !“ Noch beim Frühstück sah es ganz und gar nicht danach aus. Aber im Laufe des Nachmittags legte sich der Wind etwas, die Wellen waren vielleicht nicht mehr ganz so hoch. Plötzlich hiess es: „Leute, haltet euch fest, wir fahren wieder zur ruhigeren Küste. 2 Stunden kräftiges Schaukeln, und wir haben es geschaft!“ Wir verkeilten uns so gut es ging. Vor allem die Kinder wurden so platziert, dass wir alle ein Auge auf sie haben konnten. Alles wurde gesichert und festgezurrt. Einer der Mannschaft kontrollierte alle unsere Kabinen, damit auch ja kein Bullauge offen geblieben war. Dann ging’s los ! Kaum kamen wir aus dem Riffschatten begann unser Schiff kräftig zu stampfen und zu schlingern. Der Mann am Ruder gab sich ja alle Mühe und steuerte die grossen Wellen schräg an um das Schiff dann auf dem Wellenkamm leicht zu drehen und so den ursprünglichen Kurs wieder einzunehmen.
Die beste Ehefrau von allen, hatte aus ihrer Reiseapotheke Pillen gegen die Seekrankheit gezaubert und all denen verteilt, die dieser Sache nicht so recht trauten. So ist niemand krank geworden, wir fühlten uns automatisch befördert von Süsswasser-Matrosen zu rauen Seebären.
Ich werde allerdings den Gedanken nicht los, richtige Seebären hätten unsere „raue See“ wohl mit einem bedauerndem Lächeln abgetan. Als wir in die Soma Bay einfuhren, herrschte plötzlich wieder Ruhe, keine Wellen und kaum noch Wind, na also !
Teller und Gläser rutschten nicht mehr auf dem Tisch hin und her. Wir konnten unser Essen wieder in aller Ruhe geniessen. Gleichzeitig war uns aber auch bewusst, dass wir über 50 km von Hurghada entfernt waren, bis zum Ende der Woche mussten wir durch die Wellen zurück in den Ausgangshafen. Am Freitag ging es entlang der Küste nordwärts bis in die Bucht von Ras Disha, am Samstag früh steuerten wir Small Giftun an. Bei all diesen Fahrten ist unsere Taucherei ganz bestimmt nicht zu kurz gekommen, es wahr ganz einfach herrlich. Am Samstag Abend lagen wir vor dem Marriott Hotel auf der Rede, die erste Woche unserer Ferien ging dem Ende zu. Am nächsten Morgen stand für uns ein Taxi bereit, dass uns zu unserem Hotel bringen sollte. Ein kleiner Bus brachte die Freunde zum Flughafen, hier stand bereits die Heimreise auf dem Programm.
Wir allerdings erwarteten unsere Söhne, es sollte aber Mittag werden bis die im Hotel eintreffen würden. Unser Hotel hatte den Besitzer gewechselt, nicht mehr Melià sondern neu Sonesta. Wir waren recht gespannt was uns da nun erwartete. Wir standen gerade vor dem Front Desk, als Mohamed Badr aus dem Büro kam und uns mit viel Hallo begrüsste. Er ist seit vielen Jahren Front Desk Manager und freute sich, dass wir wieder gekommen waren. Ich hatte unser Kommen per E-Mail angemeldet, wusste aber nicht ob das auch gelesen worden war. Gleich darauf erschienen weitere Mitglieder des Management und begrüssten uns überfreundlich. Die beste Ehefrau von allen meinte schnell zu mir: „Da haben wir aber Glück gehabt, dass sieht ja wirklich sehr gut aus.“ Frau Schulz stiess zu uns, sie steht den Gästen für alle möglichen und sicher auch unmöglichen Anliegen zur Verfügung. „Ich habe ihr Schreiben gelesen, und dem neuen Management mitgeteilt wer sie sind. Herzlich willkommen !“
Noch am selben Tag wurden uns herrliche Blumen aufs Zimmer gebracht, zusammen mit einem feinen Früchtekorb und einem Teller Ägyptischer Süssigkeiten. Nachdem wir unser Gepäck ausgepackt hatten, stellten wir uns eine ganze Weile unter die Dusche, zwecks Grossreinigung. Nein, nein, wir waren nicht etwa schmutzig. Auf dem Schiff aber muss jedermann mit dem Wasser sparen, die Süsswasser Vorräte sind nun mal nicht unbegrenzt. Jetzt konnten wir wieder ausgiebig duschen und auch das letzte Salzkorn aus den Haaren spülen. Die beste Ehefrau von allen drängte zur Eile: „Die Kinder müssten doch jeden Moment ankommen, lass uns in die Halle gehen.“
Als wir in der grossen Eingangshalle des Sonesta warteten, dauerte es auch nicht mehr lange und die beiden Jungs mit der jeweiligen Begleitung erschienen im Eingang. Nach eingehender Umarmung aller, und lauter Begrüssung war die ganze Familie wieder einmal beisammen. Je älter die Kinder werden, umso schwieriger ist es alle unter den selben Hut zu bringen, und das auch noch im gleichen Augenblick. Es hatte bei allen geklappt, wir wollten eine ganze Woche gemeinsam verbringen.
Meine beiden Jungs wollten auch wieder einmal tauchen. Beide hatten vor Jahren im Roten Meer den jeweiligen Tauchschein gemacht, beide hatten aber seit 5 Jahren den Kopf nicht mehr Unterwasser gehalten. Ich hatte einen Tauchgang am Housereef organisiert, wir wollten die Sache zuerst einmal ruhig wieder angehen. Die Tauchbasis hatte unsere Ausrüstung auf die Mole gebracht. Wir hatten ein paar Stunden vorher ein bisschen Theorie wiederholt, um die wichtigsten Punkte aufzufrischen. Ich kenne das Riff vor unserem Hotel fast wie meine Hosentasche, also erklärte ich während des Briefing was wir machen werden, wo es durchgeht, auf was zu achten ist. Ich hatte auch angesagt, dass wir uns zuerst einmal auf 5 Meter Tiefe in den Sand knien, um einige Übungen zu machen, zum Beispiel die Taucherbrille abnehmen, wieder aufsetzten und ausblasen. Beide Jung’s grinsten, waren aber einverstanden.
Es hat dann auch gar nicht lange gedauert, bis wir drei feststellen konnten, dass gut Gelerntes noch bestens greifbar war. Beide stellten sich sehr gut an und hatten keinerlei Probleme auch die Balance Unterwasser wieder zu finden. Schon nach kurzer Zeit waren wir unterwegs Richtung Housereef. Neben den Tagesfischen um uns herum, stöberten wir auch Rotfeuerfische in kleinen Höhlen auf die dort ausruhten und auf die Nacht warteten, Stachelrochen liessen uns nahe herankommen, und wir störten sie natürlich nicht. Ein grosser Kofferfisch und auch etliche, recht grosse Weissfleck Kugelfische liessen sich beobachten.
Ich hatte vor dem Abtauchen klar gemacht, der Erste der hundert Bar Druck in seinem Drucklufttank erreicht, meldet sich. Das ist das Zeichen den Rückweg anzutreten. Nach 25 Minuten meldete sich mein Ältester und zeigte 100 bar an. Wir drehten um und schwammen langsam wieder zu unserem Ausgangspunkt zurück. Langsam reduzierten wir auch die Tiefe, sodass wir die letzten 15 Minuten auf 5 Meter verbrachten und damit den Sicherheits- Stopp auch schon absolviert hatten. Die Frauen hatten auf der Mole eine ganze Stunde auf uns gewartet, sichtlich froh das alles gut gegangen war wurden wir mit Freuden begrüsst.
Einen Tag später befanden wir uns alle schon frühmorgens auf dem Tauchboot um einen Tagesausflug zu machen. Zwei herrliche Tauchgänge konnten wir absolvieren, beide im Drift ! Der erste fand hinter der Polizeistation auf Klein-Giftun statt, wir besuchten die herrlichen Fächerkorallen. Ich war recht stolz, dass ich meinen Jung’s einen Langschnauzen – Büschelbarsch zeigen konnte (schrecklicher Name, der ist ja länger als der Fisch selbst, auf italienisch heisst er ganz einfach und kurz Falkenfisch). Kenner wissen, dass es gar nicht einfach ist, diesen Winzling zu finden.
Der zweite Tauchgang fand am Gota Abu Ramada statt. Dieses herrliche, fast kreisrunde Riff wird nicht umsonst auch als Allahs Aquarium bezeichnet. Die Vielfalt der dort lebenden Fische war wieder einmal überwältigend. Unser Boot liess uns an der nordwestlichen Ecke des Riffs ins Wasser, wir umrundeten dann fast den ganzen Gota, bis wir wieder unter unserem Boot angekommen waren. Einige hundert junge Baracuda bildeten einen riesigen Schwarm, aber auch Barben, Füsiliere und ein recht grosser Napoleonfisch liessen uns auf Armeslänge heran.
Dieser herrliche Tag wird uns allen wohl eine ganze Weile, eine schöne Erinnerung sein.
Aber wir haben natürlich auch, oder besser in erster Linie, dem süssen Nichtstun gefrönt. Wir haben Bücher gelesen, oder uns einfach nur von der Sonne braun brennen lassen. Eine Eigenart meiner Söhne muss noch erwähnt werden. Immer wenn der Kellner mit der Rechnung ankam, auf das diese mit Namen und Zimmernummer versehen und unterschrieben, möglichst zusammen mit einem Trinkgeld dem Kellner wieder auszuhändigen war, immer dann hatten die Jung’s Hustenanfälle, oder waren mit irgend etwas sehr, sehr beschäftigt. Tja, so kam es, dass die weitaus meisten Belege von mir selbst abgezeichnet wurden. Das ging sogar soweit, die Kerle luden uns alle zu einem feinen Apéro ein, hatten dem Kellner beigebracht wie der jeweilige Drink auszusehen hatte und schlussendlich bezahlte ich den ganzen Spass.
Ich habe dann fürchterliche Drohungen ausgesprochen, von wegen allen möglichen Mist mit meiner Zimmernummer zu versehen ! Die respektlose Bande hat aber nur gegrinst: „Papa, nun hab doch für nur eine Woche Verständnis !“ Da blieb mir schlussendlich nicht viel anderes übrig. Ausserdem meinte auch die beste Ehefrau von allen immer wieder: „Das bezahlst aber du, die armen Jungen verdienen doch noch nicht soviel !“
„Und wer hilft mir ????“
Wie immer gehen die schönsten Tage wie im Fluge vorbei, schade ! Schon wachten wir für den letzten Tag auf, den wir natürlich noch ausgiebig geniessen wollten. Wohlweisslich des Ansturmes auf das Tauchzentrum hatten wir schon am Vortag unsere Ausrüstungen gewaschen, eingepackt und ins Zimmer gekarrt. Auch die Rechnungen waren bereits beglichen worden, dreimal dürft ihr raten wer hier bezahlt hat. Mein Jüngster meinte trocken: „Du bist doch hier fast zu Hause, wir wollen uns unter keinen Umständen in deine Freundschaft mit dem Besitzer des Tauchzentrums einmischen.“
„??????“ Was das mit dem Zahlen meiner Sohne zu tun hat ?
Wir lagen faul am Strand und sahen zu, dass die Bräunung möglichst gleichmässig verteilt wurde. Jeder wollte natürlich, kaum wieder zu Hause, mit der tollen Farbe bei den Kollegen Neid aufkommen lassen.
Tja, und dann war es vorbei. Wir hatten am letzten Abend noch einmal fürstlich gegessen, hatten uns von allen Freunden und Bekannten verabschiedet und dann noch schnell den Weckruf organisiert um vor der Abreise noch ein anständiges Frühstück zu geniessen, vor allem im Hinblick auf die halbvertrockneten Sandwiches die es im Flugzeug geben wird.
Pünktlich wie es sich gehört standen wir vor dem Check-in Schalter, ich hatte alle Tickets und Ausweise und bat den Beamten uns doch alle zusammen zu setzten, während meine beiden Jungs die Koffer auf’s Transportband wuchteten. Der Kerl passte auf wie ein Schiesshund und stellte dann lakonisch fest: „Sie haben insgesamt 118 Kilo, das heisst also 28 Kilo zu viel. Sie müssen 8 Euro pro Kilo Übergepäck bezahlen!“ Um ein Haar hätte es mich von den Socken gehauen. Ich begann sofort eine sehr ernsthafte Diskussion mit meinem gegenüber. So ungefähr ging es um folgendes: Wir sind mit demselben Gepäck angekommen, mit derselben Fluggesellschaft, an unserem Abflughafen hat niemand die 4,5 kg pro Person beanstandet, wir haben praktisch nichts in Hurghada gekauft welches das Gewicht unseres Gepäcks wirklich beinträchtigen konnte und ähnliches mehr. Um ein Haar hätte ich es geschafft, aber der Chef der Abfertigung kam hinzu, und dieser blieb eisenhart: „Wir haben unsere Regeln, sorry, sie müssen bezahlen !“ Stolze 224 Euronen habe ich dann zähneknirschend auf den Tisch geblättert, verflixtnocheinmal !
Einem Ehepaar, gleich hinter uns am Schalter widerfuhr gleiches, auch sie wurden zur Kasse gebeten. Ich kann mir nicht helfen, für mich ist das nichts weiter als eine andere Methode der Fluggesellschaft noch ein bisschen Geld zu machen. Gleichzeitig ist aber auch nur en kleiner Trost, wenn ich feststelle dass auch in Deutschland die goldenen Zeiten der Gratisbeförderung des Tauchgepäck’s vorbei sind.
Moral der Geschichte: lasst uns bloss aufpassen, dass wir in Zukunft die Gewichtsvorschriften beherzen.
Nun, wir liessen uns durch diese kleine Anekdote die Ferien im Nachhinein nicht verderben ! Es war herrlich, wir haben es ausgiebig genossen. Wieder einmal hat uns Hurghada nicht enttäuscht, ganz im Gegenteil ! Einige unserer Freunde haben uns gefragt: „Wann kommt ihr wieder ?“
Nun, da gibt’s nur eine Antwort: „Irgendwann, vielleicht schon bald, insch’allah !“
Kaum wieder zu Hause gelandet, wurden wir doch angenehm überrascht: es wahr herrliches
Wetter, das Thermometer zeigte sogar 25° an. Die dicken Jacken die wir im Auto gelassen hatten, wurden nicht gebraucht, auch nicht schlecht. Kaum zu Hause luden wir die Koffer aus, um gleich weiter zu fahren. Wir wollten schnellstens unsere Hunde nach Hause holen. Diese sind während zwei Wochen nach Strich und Faden vom Züchter unseres Schäferhundes verwöhnt worden. Die Begrüssung war, gelinde gesagt, sehr stürmisch ! Als ich dann das Auto öffnete, stürmten beide sofort hinein, ganz so als ob sie trotzdem sagen wollten: „Jetzt fährst du aber nicht ohne uns nach Hause!“
Und das wahr gut so
Arwed G. Büchi
Okt. 2008