Ein Reisebericht für Kenner, und für die, die es gerne werden möchten
Schon seit einigen Jahren sind wir der Meinung, dass Oktober eine sehr gute Jahreszeit ist um einige Tage am Roten Meer zu verbringen. So ein bisschen nach dem Motto: Bevor uns die Herbstnebel wie Watte umgeben und bevor dann der Winter über uns hereinbricht, noch einmal Sonne tanken. Gleichzeitig möchte ich ganz gerne noch einmal im warmen und vor allem glasklaren Wasser tauchen, bevor die Tauch- mit der Skiausrüstung vertauscht wird.
Es war auch gar nicht schwer die beste Ehefrau von allen von diesem Vorhaben zu überzeugen, und so kam es, dass wir Mitte Oktober, an einem Sonntagmorgen, kurz nach drei Uhr morgens, Richtung Flughafen fuhren. Unser Flug sollte schon um 6 Uhr starten und uns nach Hurghada bringen. Nach weniger als vier Stunden Flug standen wir in der Ankunftshalle und wurden von einen der Jungs unseres Reiseveranstalter begrüsst. Dieser teilte uns mit, dass wir auf niemanden mehr zu warten hätten: nur wir beide waren für das Melià Pharaoh vorgesehen. Blitzschnell wurden wir durch den
Zoll geschleust und saßen nur wenig später bereits in einem Wagen der uns ins Hotel fuhr. Dort wurden wir erwartet, unser Zimmer war bereit und schon konnten die Ferien beginnen.
Wir schleppten dann meine Tauchausrüstung ins Tauchzentrum, schon am nächsten Tag sollte die Taucherei losgehen. Ich schätze die viel zu leichten Aluflaschen die in Hurghada verwendet werden nicht, zwingt mich dass doch dazu jede Menge Kilos mir um den Bauch zu binden um Unterwasser die richtige Tarierung zu erreichen. Die Freunde der Tauchbasis wissen das und hatten zwei schwere Stahlflaschen für mich bereit stehen. Toll !
Am nächsten Morgen, schon um 8 Uhr befanden wir uns an Bord der Abo Mosad, unserem Tauchschiff. Wir wurden von der Mannschaft begrüsst: „Sabah el cheer, welcome back.“ Wir kennen uns schon seit vielen Jahren. Herrlicher Sonnenschein, ein ruhiges Meer und nicht allzu viel Wind, das musste ein schöner Tag werden. Nicht nur dieser Tag wurde schön, die ganze Woche war ganz einfach phantastisch !
Ich hatte meine Fotokamera mitgenommen, und wollte unter Wasser versuchen einige ganz spezielle Bewohner des Roten Meeres aufzunehmen. Dabei hatte ich ganz besonders an den Red Sea Walker, oder auf deutsch an den Rotmeer Walkman aus der Familie der Skorpionsfische gedacht.
Dieser sehr eigenartige Fisch nutzt seine freien unteren Brustflossen als Laufbeine. Dabei hinterlässt er im Sand eine kleine, parallele Spur. Der vielleicht 20 cm grosse Kerl ist meistens bis zu den Augen im Sand eingegraben und versteckt sich auf diese Weise sehr gut. Wie bei allen Skorpionsfischen, befindet sich in den Rückenstacheln ein sehr kräftiges Gift, mit dem man um Himmelswillen nicht in Berührung kommen sollte. Der Fisch selbst ist unscheinbar grau und kaum zu erkennen, wenn er jedoch seine Brust- und Schwanzflossen öffnet, zeigen diese herrliche Abschreckfarben, genau diese wollte ich endlich einmal festhalten. Am Gota Abu Ramada habe ich die Spuren im Sand entdeckt, den Fisch dann aber doch nicht gefunden.
Gegen Ende Woche fuhren wir zum Riff Umm Gamar, die Mutter des Mondes, um den ersten Tauchgang des Tages zu absolvieren. Auf der Rückfahrt hielten wir am Riff El Fanadir für die zweite Unterwassertour. Mein Freund Alex meinte, hier müssten wir eigentlich deinen Fisch finden. Ich hatte den Kollegen der Gruppe von meinem Vorhaben erzählt, nun wollten alle diesen komischen Fisch finden und kennen lernen. Dem Riff vorgelagert liegt ein Sandplateau auf etwa 20 m Tiefe. Wir liessen uns auf Tiefe sinken, und waren schon bald von allen möglichen Fischen umgeben, langsam schwammen wir gegen eine leichte Strömung gegen Norden. Alex machte mir Zeichen, er hatte die erste Spur eines Rotmeer Walkman gefunden. Schon bald fanden wir noch eine, und noch eine; nur vom Fisch selbst hatten wir noch nichts gesehen. Doch unsere Mühe sollte belohnt werden, wieder fanden wir eine Spur, und dann auch denjenigen der diese Spur hinterlassen hatte: klein und grau duckte er sich in den Sand. Als dann 5 Taucher um ihn herum schwammen, musste ihm das wohl ein bisschen gefährlich vorgekommen sein, er öffnete seine Flossen und richtete die Stacheln hoch um uns zu warnen: „Achtung, ich bin gefährlich!“ Genau darauf hatte ich gewartet, jetzt konnte ich endlich mein Vorhaben in die Tat umsetzen.
Nachdem ich mich bei dem kleinen Kerl bedankt hatte, war dieser sichtlich froh, als wir ihn wieder in Ruhe liessen.
Der Rotsee Walkman, klein und unscheinbar und plötzlich so schön ...
Es sollte aber ein ganz besonderer Tauchgang werden. Wenig später winkte Alex und zeigte unter sich auf den Sandboden. Vorsichtig schwamm ich hin und staunte dann ganz gewaltig, vor uns lagen zwei Flügelrossfische ! Auch diese sonderbaren Fische, vielleicht etwa 10 cm lang, sieht man eher selten. Diese bizarren Tiere bewohnen den Sandgrund und bewegen sich genau wie der oben erwähnte Rotsee Walkman nur mit den beiden Brustflossen. Natürlich wurden auch diese Beiden in meiner Kamera digitalisiert.
Schwer zu erkennen: Flügelrossfische
Weiter gings, wir hatten alle noch genügend Luft in unseren Flaschen.
Da liegt doch so mir nichts, dir nichts ein Drachkopf vor mir. Mit ruhigen Bewegungen bringe ich die Kamera in Position und er ist so freundlich und lässt sich von mir ablichten. Ich glaube es war eine bärtiger Drachenkopf, auch dieser aus der Familie der Skorpionsfische. Ich selbst war höchst zufrieden, aber auch die Tauchkollegen grinsten mich durch ihre Masken an, soviel Glück auf einmal, da muss man dankbar sein.
Der Drachenkopf ... wer erkennt den gut getarnten Steinfisch ?
Auf dem Rückweg zum Schiff stiegen wir auf 5 m Tiefe, und liessen uns von der leichten Strömung treiben. Einer der Kollegen zeigte in eine kleine Höhle und winkte mir zu. Erst beim zweiten Hinblick erkannte ich einen recht grossen, rötlich getarnten Steinfisch, der die Höhle fast ausfüllte.
Mein Wunsch, die bizarren Gesellen des Roten Meeres zu fotografieren war in Erfüllung gegangen, all denjenigen, die mir die Daumen drückten ein herzliches Dankeschön. Ganz besonders gilt das natürlich der besten Ehefrau von allen: mit unglaublicher Geduld steht sie mir immer zur Seite.
Auch das muss belohnt werden ! In der zweiten Woche haben wir uns fast ausschliesslich um unser körperliches Wohl gekümmert. Ausruhen am Strand war angesagt, jeder von uns hat drei Bücher durchgelesen. Wir haben uns täglich im Healthclub massieren lassen: in einem ruhigen, abgedunkelten Raum lagen wir beide auf den jeweiligen Massagetischen, eine angenehme Musik sorgte für Entspannung während zwei geübte Hände die verschiedensten Knoten in unseren Muskeln lösten. Nach einer solchen Massage fühlt man (Frau auch!) sich um Jahre jünger, wenn wir noch ein paar Wochen geblieben wären, hätten wir wieder das Einschulalter erreicht !
Wir sind einige Male nach Hurghada gefahren, um Freunde zu besuchen, zum Essen oder auch ganz einfach zum bummeln auf der Sheraton Road. Jedesmal musste ich mich mit den Taxifahrern herum streiten. Ich bestehe heute darauf mit den neuen, schwarz orangen Taxen zu fahren. Diese haben einen Taxameter an Bord, und haben diesen gefälligst auch zu benützen. So denken wir ! Die Aegypter sehen das offensichtlich anders. Ich habe die tollsten Ausreden zu hören bekommen: von defekt bis unnötig, oder wir werden uns dann schon einig, mein Freund. Alle natürlich begleitet mit teilweise unverschämten Preisangeboten, oftmals mit dem drei- bis vierfachen der wirklichen Fahrkosten. Nun habe ich einen harten Kopf, den ich meistens auch durchsetze. Ich habe zwei oder dreimal den besagten Fahrer wieder zum sofortigen Anhalten aufgefordert, und wir sind wieder ausgestiegen. Vorallem in Hurghada braucht man nur die Hand zu heben, und schon steht ein neues Taxi bereit.
Das grösste Schlitzohr eines Taxifahrers hat sich wirklich Mühe gegeben um mich übers Ohr zu hauen. Wir wollten vom Hotel aus in die Stadt, immerhin etwa 15 km. Nun weiss ich, dass das ungefähr 12 bis 13 Pounds kostet, wenn der Taxameter eingeschaltet ist. Der junge Kerl schlugt vor, ich solle ihm 30 Pounds bezahlen, was ich natürlich ablehnte. Entweder wird der Taxameter eingeschaltet, oder wir nehmen uns ein anderes Taxi. Alle möglichen (siehe oben) Ausreden wurden geboten, sodass es mir zu bunt wurde: „Halt, stopp, wir fahren gar nicht erst los, wir steigen wieder aus!“ Jetzt wurde das elektronische Gerät eingeschaltet: der Minimalbetrag von 3.00 Pounds leuchtete auf und begann dann zu zählen. Na also, warum nicht gleich so.
Auf der Fahrt in die Stadt viel der Zähler einige Male aus seiner Halterung, jedes Mal wies ich unseren Fahrer daraufhin, dass ich ihn und den Zähler unter Kontrolle halte. Einige Male konnte ich nur mit Mühe feststellen das alle in Ordnung war. Als wir unser Ziel erreichten, fiel der Zähler wieder vom Armaturenbrett, als der Fahrer diesen wieder zum Vorschein brachte hatte er jedoch den Stromstecker herausgezogen, sodass kein Betrag mehr ersichtlich war. Sofort täuschte er einen Schaden vor, schoss aus dem Auto um die Motorhaube zu öffnen, und machte sich an der Batterie zu schaffen. Offensichtlich glaubte er mich täuschen zu können. Ich kann einiges vertragen, aber jetzt wurde ich ernstlich sauer. Ich habe dem Fahrer dann erklärt, dass er mit diesem Theater bei mir am Falschen ist. Der Fahrpreis vom Melià bis an die Sheraton Road beträgt 12 Pounds, ich gab ihm 15 und meinte abschliessend: „Wenn das nicht reicht gehen wir gemeinsam und jetzt sofort zur Polizei !“ Der Mann erschrak, bedankte sich und verschwand blitzschnell, verflixt noch mal.
Merken denn die Jungs nicht, das sie damit sich selbst und vor allem dem Tourismus in Aegypten nur schaden?
Wir mussten in den zwei Wochen unseres Aufenthaltes ebenfalls feststellen, dass in Osteuropa der Oktober ganz offensichtlich ein beliebter Reisemonat ist. Eine ganze Menge Russen hielten sich aus ähnlichen Gründen wie wir in Hurghada auf. Ich liess mir erklären, dass es vor allem die Russen waren, die im wahrsten Sinne des Wortes Mittags und Abends über das Buffet herfielen. Gewaltige Berge wurden auf mehrere Teller gepackt und an den Tisch geschleppt. Etliche Male konnte ich ein Kopfschütteln nicht verhindern, musste das denn sein ? Nun, andere Länder, andere Sitten, dass akzeptiere ich. Wenn dann aber auch sehr einfache Anstandsregeln verletzt werden, dann hat das mit anderen Sitten nichts mehr zu tun, schade !
Wie immer war der Gästekreis in unserem Hotel sehr international: Deutsche, Schweizer, Spanier, Holländer, Italiener und viele mehr waren auch da. Wer weiss, vielleicht bringen wir es gemeinsam fertig, den Russen beizubringen, dass das Buffet immer wieder aufgefüllt wird, solange bis alle satt geworden sind.
Unser Hotel soll im kommenden Jahr einer neuen Hotelkette angeschlossen werden. Der einheimische Besitzer bleibt natürlich und wird mit neuen Leuten das Hotel der neuen Organisation anpassen. Die meisten Mitarbeiter konnten eine gewisse Nervosität in dieser Hinsicht nicht verbergen, man konnte einerseits ein bisschen Unsicherheit, andererseits eine Art Aufbruchstimmung spüren. Einer der höheren Angestellten brachte es allerdings auf den richtigen Punkt, als er meinte: „Wir haben dieses Hotel mit unserer Arbeit zu dem gemacht was es heute ist, wir werden das auch unter einer neuen Fahne weiterhin tun.“ Das ist nicht nur die richtige Einstellung, damit hat er auch vollkommen Recht. Nun, wir werden sehen was das neue Jahr bringt, wie sich unser Lieblingshotel in Hurghada verbessert.
Ja natürlich verbessert, immer nach dem Motto: neue Besen kehren besser !
Als wir uns von vielen Freunden verabschiedeten, wurde manchmal fast ein bisschen ängstlich die Frage gestellt: Wann kommt ihr wieder?“
Vielleicht im nächsten Jahr, Inschallah
Arwed G. Büchi
Hallo Arwed,
dein Reisebericht ist mal wieder "Erste Sahne". Vielen Dank für deine Arbeit und die Bilder. Das macht Lust auf meer ...
Gruß
Sönke