Angefangen hat alles im Sommer 1998. Ich selbst konnte aus geschäftlichen Gründen keine Sommerferien machen, viel zuviel lag an und musste natürlich auch entsprechend erledigt werden. Ich sagte dann zu der besten Ehefrau von allen, warum fährst du nicht mit den Kindern los, du musst ja meinetwegen nicht zu Hause bleiben. Die Jungs zeigten natürlich sofort helle Begeisterung und der Älteste versprach sofort ein tolles Ferienziel zu suchen.
Schon bald kam er mit dem Vorschlag an nach Hurghada reisen zu wollen, herrliches Meer, schönes Hotel und auch gar nicht so teuer. Ich selbst kenne aus geschäftlichen Gründen Ägypten und vor allem deren Bewohner schon länger, und konnte mit diesem Vorschlag keinerlei Probleme verbinden. Gesagt, getan nur wenige Wochen später war ich allein zu Hause.
Meistens bin ich unterwegs und die Familie zu Hause, prompt stellten unsere Jungs fest: jetzt siehst du einmal wie das ist.
Wie immer in solchen Fällen, die Telecom frohlockte, unsere Rechnung schnellte in schwindelnde Höhen. Wir haben uns immer viel zu erzählen. Schnell erfuhr ich die Begeisterung meiner Söhne und die Zufriedenheit meiner Frau. Ich war am schuften und meine Familie war höchst zufrieden.
Bis dann eines Tages ein gewaltiger Aufschrei aus Hurghada kam. Der ältere meiner Beiden hatte sich zu einem Tauchkurs eingetragen, der Jüngste wollte natürlich unter gar keinen Umständen zurückstehen, und wollte da auch mitmachen. Nun liegt zwischen den beiden Kerls ein Unterschied von 8 Jahren, nicht immer kann dem Kleinen billig sein, was dem Grossen recht ist. Die beste Ehefrau von allen hatte nicht nur Mühe sondern vor allem Sorgen bezüglich dieses wilden Vorhabens. Via Telefon musste ich schlichtend eingreifen. Schlussendlich fanden wir den gemeinsamen Nenner: ich versprach hoch und heilig im nächsten Jahr, zusammen mit meinem Jüngsten einen Tauchkurs zu belegen. Unnötig zu unterstreichen, dass dieser natürlich in Hurghada stattfinden sollte.
Es kam wie es kommen musste, mein Jüngster erinnerte mich zur rechten Zeit an mein Versprechen ! Im Sommer 1999 saßen wir alle zusammen im Flugzeug Richtung Hurghada. Ich konnte eine gewisses Kribbeln im Magen spüren, hatte ich doch alle Filme von Jacques Cousteau gesehen. Natürlich hatte ich dabei oft genug im Geiste mir ausgemalt auch einmal unter Wasser zu gehen, und wenn ich einmal groß bin das Tauchen zu lernen. Genau das sollte jetzt stattfinden.
Kaum hatten wir die Liegestühle am Strand belegt, schleppte mich mein Sohn ins Diving Center. Er wurde mit viel Hallo begrüßt, alle wussten sofort das ich nun das Tauchen lernen solle. Der Leiter des Zentrums stellte sich vor, bot mir einen Drink an und bat mich zuerst einmal Platz zu nehmen. Mein Sohn bemerkte sehr schnell, dass alles in die Richtung ging und ward verschwunden.
Wenige Tage später arbeiteten wir uns gemeinsam durch die einschlägige Literatur, versuchten im Swimmingpool eine Ahnung von Balance zu erhalten, hörten sehr aufmerksam den Ausführungen unseres Tauchlehrers zu, und versuchten dann die Ausrüstung auf die einzig richtige Art zusammen zu stellen
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Der große Tag kam: wir fuhren mit dem Schiff gen Giftun Kebir. Ein Gruppe von 5 oder 6 Anfängern sollte zum aller ersten Mal abtauchen ! Shaab Torfa war dazu genau richtig, 5 bis 6 m Tiefe, ein klare nicht enden wollende Sandfläche unter dem Boot. Vier Tauchgänge und zwei Tage später stand die Abschussprüfung auf dem Plan. Wir haben nicht nur der hohen Temperatur wegen geschwitzt, wir haben es aber geschafft und kamen uns natürlich mächtig wichtig vor.
Wir sind dann noch ein paar mal mit dem Schiff hinaus zum Tauchen gefahren, aber so richtige Könner waren wir selbstverständlich noch nicht. Nur die Begeisterung stieg allerdings mit jedem Tauchgang.
Bereits auf dem Heimflug sprach ich zu meinem Sohn: Tauchen ist eine feine Sache, will aber gelernt sein ! Der soeben absolvierte, erste Kurs konnte nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Diese Sache muss korrekt angegangen werden: wir schrieben uns in einem Tauchclub, ganz bei uns in der Nähe ein. Wir haben Tauchen gelernt: vom Oktober bis Mai jede Woche einmal im Hallenbad, jede Woche einmal Theorie. Sobald das Wetter wieder wärmer wurde, und dass war im März der Fall, am Wochenende mindestens einen Tauchgang in unserem verflixt kaltem See.
Die Abschlussprüfungen wurden in 4 verschiedene Sektoren unterteilt: Übungen im Hallenbad, Theorie Teil 1, Abtauchen im See und schlussendlich Theorie Teil 2. Als uns damals bei einer kleinen Feier das jeweilige Diplom überreicht wurde, kam bei uns allen Stolz auf. Das hatten wir ganz bestimmt auch redlich verdient.
Gerade zur rechten Zeit, um die Ferien in Hurghada buchen zu können ! Jetzt wollten wir es natürlich wissen, jetzt sollte das Gelernte ja endlich auch in ausgiebigen Tauchgängen angewendet werden. Wir konnten es kaum erwarten, als wir endlich wieder in der Tauchschule unseres Hotels standen, versprach das grosse Hallo mit welchem wir begrüßt wurden herrliche Ferien.
Genau so sollte es kommen, mit jedem Tauchgang stieg die Erfahrung, sodass wir immer mehr Zeit hatten das herrliche Leben um ums herum zu betrachten und kennen zu lernen. Ein guter Tauchgang hängt ganz bestimmt auch von der Gruppe ab, von der Organisation, von der Sicherheit, vom Tauchschiff und vielem mehr. In Hurghada haben wir neue Freunde gefunden, Ägypter wie auch Europäer, mit denen wir das gewisse Feeling erreicht haben, mit welchem unter Wasser die Sache erst richtig schön wird.
Gastfreundschaft ist in Ägypten ein wichtige Angelegenheit, der gegenseitige Respekt dem man sich zu zollen hat, vielleicht noch viel mehr. Wenn man sich dann auch noch ein bisschen Mühe gibt den andern zu verstehen, (die wichtigsten Worte jeder Sprache sind meiner Meinung nac: Guten Tag und Danke: Sabah en nur und shucran) dann öffnet sich eine Welt die nur positive Lehren und Erfahrungen hervorbringt. Damit erhalten auch die Ferien einen besonderen Flair, und man kann es kaum erwarten wieder im Flugzeug zu sitzen, Richtung Hurghada.
In der vergangen Jahren habe ich an einigen Tauchsafari teilgenommen. Obwohl die beste Ehefrau von allen nicht taucht, ist sie immer mitgekommen. Toll !! Um nun uns Beiden gerecht zu werden haben wir sehr schnell eine Zauberformel erkannt. Anschließend an eine Woche Tauchsafari empfiehlt es sich eine Woche in unserem Lieblingshotel in Hurghada auszuruhen. Daß einige weitere Tauchgänge auch auf dem Programm stehen, versteht sich von selbst.
Ich habe das Glück gehabt Tauchplätze um Tiran, am Eingang des Golfes zu Akaba, zu besuchen, Ras Mohammed an der Südspitze des Sinai, St John im tiefen Süden, kurz vor sudanesischen Grenze und vieles mehr. Alle Wracks im nördlich Gubal, Shaab Ali wie natürlich auch Abu Nuhas, habe ich besucht. Es geht nicht darum eine Rangliste zu erstellen welcher Tauchplatz schöner als der andere ist. Jeder hat ganz bestimmt seine eigenen Schönheiten. Wenn ich aber gefragt werde wo ich am liebsten tauche, dann kommt immer und zuallererst Hurghada. Nichts ist schöner als ein ruhiger Tauchgang im Drift durch das ganze Shaab Sabina, einen Nacht Tauchgang am Gota Abu Ramada, oder aber die Suche nach dem winzigen Falkenfisch der sich in den Gorgonien versteckt am Gorgonia Reef.
Warum dem so ist? Ich glaube ganz einfach weil alles in und um Hurghada stimmt, zumindest für mich !
Nach nur 4 Stunden Flug ist man am Ziel. Im Hotel werden wir als Freunde begrüßt und entsprechend von allen verwöhnt, natürlich hilft das Trinkgeld wo nötig und der Bakschisch wo angebracht, aber dazu sind wir in Ägypten. Gute arabisch-ägyptische Küche wird mit Freunden im Felfela genossen. Das beliebteste Thema tausender Konversationen zieht nicht: das Wetter, in Hurghada ist es ganz einfach immer schön. Kein Thema, also.
Natürlich gibt es vieles was beanstandet werden kann. Ich habe stundenlange Gespräche mit einheimischen Freunden geführt, auch diese haben die meisten Fehler der Vergangenheit erkannt. Vieles hätte man anders machen, besser planen und sogar einschränken sollen. Tatsache ist, dass Hurghada einerseits von der rasanten Entwicklung teilweise überrumpelt worden ist, und dass wir andererseits in Aegypten sind. Hier herrschen andere Regeln und Maßstäbe. Außerdem möchte ich persönlich sicher nicht zu diesen Naseweisen gehören, die im Nachhinein immer alles besser wissen !
Wichtig scheint mir, dass Massnahmen getroffen werden um Hurghada und vor allem das Rote Meer dem Tourismus zu erhalten. Aufgepasst, da sind vor allem auch wir Touristen gefragt mitzumachen und vielleicht ganz besonders das eine oder andere zu unterlassen !
Außerdem reise ich nach Ägypten, in Ägypten will ich ganz einfach Ägypten leben und erleben, nicht Europa ! Übrigens, wir sind dort im Urlaub !
Und noch etwas:
So wie ich im Münchner Hofbräuhaus keinen guten Wein, im Hamburger Fischereihafen Restaurant keine Spaghetti alla Bolognese und im Zürcher Zunfthause zur Meise keine Shushi erwarte, so erwarte ich in Hurghada nicht ein feines Filet. Ich lass mich überraschen und vom Koch beraten, noch nie habe ich schlecht gegessen ! Wenige Male entsprach es nicht ganz meinem Gaumen, Inschallah.
Ebenso weiß ich, dass ägyptische Uhren einen ganz anderen Mechanismus haben als unsere viel gerühmten Schweizeruhren. Wenn ein Ägypter sofort sagt, so heißt dass noch nicht einmal gleich. Wenn man zu einer bestimmten Zeit ein Treffen abgemacht hat, sollte man tunlichst beachten, dass die „akademische Viertelstunde“ in Ägypten schon mal ein bis anderthalb Stunden dauern kann. Wer all das bedenkt hat kaum Probleme, und lernt die Zeit in Hurghada zu genießen.
Genau das gelang uns in den vergangenen Jahren immer ganz besonders gut in Hurghada, warum um alles in der Welt sollen wir darauf verzichten ?
Unsere Jungs kommen nicht mehr mit uns die Ferien, die haben ihre eigenen Wege gefunden, der Jüngste schielt höchstens noch eindringlich auf mein Portemonnaie, versteht sich. Da habe ich aber vor Kurzem nicht schlecht gestaunt, als der Älteste anlässlich eines Familientreffen feststellte, dass es doch wieder mal so richtig schön wäre, wenn wir alle zusammen in Hurghada zum Tauchen ausfahren würden. Schön war, dass diesem Vorschlag gegenüber eitel Einigkeit herrschte, da bin ich ja mal gespannt.
Ma’ salama
Arwed