Das Riff liegt 5 km nördlich der Insel Shadwan. Es begrenzt den Ausgang der Straße von Gubal i
ns Rote Meer und ist für die Schifffahrt ein gefährliches Hindernis. Des einen Freud ist des anderen Leid: Für Taucher bietet das Riff Wracktauchgänge ohne Ende. In den letzten 130 Jahren versanken 7 bekannte und mehrere unbekannte Schiffe an dem Shaab. Einige der Schiffsüberreste wurden nur zufällig (wieder) entdeckt.
Zu den vier bekanntesten Wracks an diesem Riff gehören (im Nordwesten beginnend) die Giannis D (Holzfrachter), die Carnatic (Wein- oder Flaschenfrachter), die Chrisoula K (Keramik- oder Fliesenfrachter) und das Wrack der Kimon M (Linsenfrachter).
Shaab Abu Nuhas ist das entfernteste Riff, dass von Hurghada aus in einer Tagesfahrt angefahren wird. Die
Fahrzeit beträgt ca. zwei bis drei Stunden. Tauchen ist nur bei günstigen Bedingungen möglich. Die Wracks liegen alle auf der Außenseite des Riffs, also Wind, Wellen und Strömung ausgesetzt. Tauchboote können nicht immer ankern ohne Gefahr zu laufen, von dem Wind auf das Riff gedrückt und selber zum Wrack zu werden. Welche Kräfte Wind und Wellen freisetzen wird den Tauchern deutlich, die das Riff schon mehr als einmal besucht haben. Die Wracks oder Teile davon lagen zum Teil sehr lange auf dem Riffdach, bis sie im Laufe der Jahre in die Tiefe sanken.
Bei guten Tauchbedingungen (keine Strömung und wolkenlosem Himmel) sind die Wracks einfach zu betauchen und bieten für Anfänger einen prima Einstieg in das Wracktauchen. Die Überreste sind von der Sonne hell beleuchtet und stechen gegen das blaue Wasser ab. Die Boote ankern fast immer über dem jeweiligen Wrack. Der Taucher muss nur noch ins Wasser springen.
Bei bewölktem Himmel ist Szenerie unter Wasser eine ganz andere: Dunkel... Düster... Geheimnisvoll... Schemenhaft... zeichnen sich die Wracks vor dem bleigrauen Hintergrund ab. Ein (Schiffs-) Friedhof...
Die Wracks am Shaab sind mehr oder weniger von Korallen bewachsen. Einen besonderen Reiz haben die Taue die mit Weichkorallen überzogen von den Lademasten hängen. Hübsch schaut es aus, wenn sie sich in der Strömung wiegen. Faszinierend anzusehen sind die riesigen Schwärme Glasfische, die in dunkeln Ecken und Winkeln der Wracks stehen. Daneben sind Zackenbarsche, Napoleons, Fledermausfische in die Überreste eingezogen.
Giannis D
Bei der Havarie brach das Schiff in mehrere Teile auseinander und versank nach und nach. Heute liegt e
s auf dem ca. 27 m tief auf dem Meeresboden. Das Wrack ist geneigt und der Schiffskiel zeigt zum Riff. Beginnen sollte der Tauchgang am Heck bei der großen Schiffsschraube. An ihr vorbei tauchend gelangt man auf die dem Riff abgewandte Seite des Wracks. Durch die Schieflage bietet sich ein interessanter Anblick: Die ehemaligen Aufbauten ragen nun fast waagerecht ins Wasser. Wer mag und nicht unter Ängsten leidet, kann in das Wrack hinein tauchen. Das Eindringen ist an einigen Stellen gefahrlos möglich. Durch die Seitenlage des Wracks bieten sich dem Taucher eigenartige An- und Einblicke: Treppen verlaufen waagerecht, Wände, Decken und Böden sind vertauscht. Eine besondere Herausforderung für den Gleichgewichts- und Orientierungssinn.
Der Maschinenraum wartet mit besonderen Einblicken in die Maschine: Offen liegende Zylinderköpfe, Ventilfedern, Leitungen, Rohre,... Der Raum kann über enge Luken zum Oberdeck verlassen werden.
Über das
zerstörte Oberdeck geht der Tauchgang weiter Richtung Bug. Bizarr ragt der Lademast mit seinen Tauen in das Wasser. Bewachsen mit Weichkorallen ist er ein schöner Anblick. Auf dem Weg kommt man auch an dem großen Schornstein des Schiffs vorbei. Auf seiner Seite prangt das große "D" für Durmac Shipping & Trading Corporation aus Piräus. Der Bug liegt im flacheren Bereich so dass man zum Ende des Tauchgangs viel Zeit hat, diesen Teil zu erkunden. Aufmerksame Taucher finden auch die Ankerkette, die aufs Riffdach zuläuft.
Chrisoula K
Auch dieses Schiff zerbrach bei der Kollision mit dem Riff in mehrere Teile. Die tiefste Stelle am Heck liegt bei 24 m. Beim Größenvergleich mit der Schiffsschraube fällt auf wie klein der Taucher doch ist. Augenfällig ist der stark zerstörte mittlere Teil des Wracks. Die zerborstenen Schiffswände bilden zusammen mit den Industriegasflaschen ein Durcheinander auf dem Meeresboden. Es fällt schwer die Reste zu identifizieren und sich vorzustellen, was die einzelnen Brocken einmal waren.
Weiter Richtung Bug wird es flacher und das Wrack interessanter. Der Taucher passiert die arg ramponierten Brückenaufbauten. Sie geben an einigen Stellen den Blick in das Innere des Schiffs frei. Erfahrene Taucher können auch die Chrisoula K im Inneren erkunden. Maschinenraum und Werkstätten haben eine besondere Ausstrahlung.
Eindrucksvoll zerren Wellen und Strömung an einer Seitenwand der Chrisoula K. Sie biegt sich hin und
her bis auch sie schließlich den Naturgewalten nachgeben und zusammenbrechen wird. Die Aufbauten der Laderäume im vorderen Teil des Schiffes sind weg und ermöglichen den Blick auf die Ladung: Italienische Bodenfliesen. Daher hat das Schiffswrack auch seinen Beinamen Fliesenfrachter.
Die Chrisoula K ist bis auf die Fliesenpakte geplündert. Souvenirjäger haben erbarmungslos zugeschlagen und so ziemlich alles mitgenommen.
Ein gutgemeinter Rat:
Das Wracktauchen hat einen besonderen Reiz. Damit es ein Erlebnis bleibt, bitte die Sicherheit nicht vergessen. Wenn es ins Innere geht sollten die " Drei L" auf keinen Fall fehlen: Leinen, Licht und Luft.
Lust
auf mehr Lesestoff? Das Buch "Wracktauchen. Die schönsten Wracks im Roten Meer" von Claus-Peter Stoll, Udo Kefrig und Christian Mietz lädt zum Schmökern ein. Die Autoren haben gründlich recherchiert und viele Informationen zu den Wracks im Roten Meer zusammengetragen. Einige Infos auf dieser Seite stammen aus dem Buch. Eines der besten Bücher die ich kenne zum Thema Wracktauchen. (Naturbuch Verlag Augsburg, 1999, ISBN 3-89440-353-5, Seite 86 ff.)